gedicht22
Betörend
die Rede
stört
ein vorbeifliegender Vogel
ruft
sein Gefolge auf den Plan
der Anfang
war gegeben
der Faden
verloren
doch lief es rund, und
gegenüber
ein Lausbub
nichts als Flausen
ausgetrieben
Zündung
der Wortmotor
springt wieder an
und die Wolken geben den Himmel
frei
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Stromfasten
Nach und nach verabschieden sich die Heizkörper. Wie sich der Saft der Bäume im Herbst nach unten in den Stamm verzieht, weicht die Wärme aus ihnen zurück. Es bleiben nichts als starre kalte Hüllen. Ich ziehe meinen Bademantel über, um mich gegen die herannahende Kälte zu wappnen. Nicht ohne Ironie stelle ich die leicht verderblichen Waren ins Eisfach des Kühlschranks – dort bleiben sie länger kalt.
Voll Tatendrang stehe ich im hell erleuchteten Arbeitszimmer, als es auf einmal stockfinster wird. Die Glühlampe ist durchgebrannt, denke ich als erstes und taste mich zum Schalter der Schreibtischlampe vor. Als diese sich nicht anknipsen lässt, dämmert es mir langsam. Stromausfall. Stimmengewirr im Hausflur lässt ahnen, dass ich nicht allein betroffen bin. Meine stromgebundene Abendplanung fällt in sich zusammen. Ich gehe ins Bad und entzünde die zwei halb heruntergebrannten Teelichter, die sonst den Aufenthalten im heimischen Mini-Spa vorbehalten sind. Zum Glück hatte ich in einem hellen Moment weitere Teelichter auf Vorrat gekauft.
Ich trete auf den Balkon und schaue auf die flimmernden Lichter der Vorstädte, die hell erleuchteten Straßen nur ein paar Häuserblocks weiter. Unsere Straße dagegen ist dunkel, die Straßenlampen brennen nicht. In Häusern gegenüber sieht man Menschen mit Taschenlampen umhergehen. Bläuliche Lichtkegel oder gedämpfter Kerzenschein erhellen die Fenster. Ich bin nicht allein im Dunkeln.
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© Madeleine Wasser